Der Wert regionaler Netzwerkarbeit: Warum Zusammenarbeit häufig den Unterschied macht

Bereits 2013 hat das Ausbildungsbündnis Baden-Württemberg festgestellt, dass zu wenig Jugendlichen der direkte Übergang von der allgemein bildenden Schule in eine berufliche Ausbildung gelingt. In diesem Zusammenhang wurde ebenfalls festgestellt, dass es im Übergangsbereich neben den Schulen viele verschiedene Akteure gibt. Diese setzten eine oft unübersichtliche Vielzahl von Bundes-, Landes- und kommunalen Projekten im Übergang Schule-Beruf um, die zu häufig vor Ort nicht aufeinander abgestimmt und koordiniert waren. Vor diesem Hintergrund wurde die Konzeption zur Neugestaltung des Übergangs Schule-Beruf in Baden-Württemberg beschlossen.1

Die neue Konzeption des Übergangsbereichs von der Schule in den Beruf wird nun vor Ort durch die kommunale bzw. regionale Ebene passgenau und regionalspezifisch umgesetzt. Bei den aktuell 36 teilnehmenden Stadt- und Landkreisen wird ein regionales Übergangsmanagement (RÜM) eingerichtet, das vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg gefördert wird. In einer regionalen Steuerungsgruppe wirken alle am Übergang Schule – Beruf beteiligten regionalen Akteure wie beispielsweise Schulträger, allgemein bildende und berufliche Schulen, Arbeitsagentur, Jobcenter, Wirtschaft, Gewerkschaften, Kommunen oder ehrenamtliche Träger mit und bilden eine regionale Verantwortungsgemeinschaft.

Im Main-Tauber-Kreis war die Teilnahme an der Regionalen Steuerungsgruppe für den Firmenausbildungsverbund e.V. Main-Tauber (FABI e.V.) daher ein konsequenter Schritt. Das eigene Engagement in verschiedenen Projekten rund um Berufsorientierung (dabei auch der Initiative Ausbildungsbotschafter2) und Berufsbildung machte es naheliegend, sich in diesem Gremium einzubringen, das alle relevanten Akteure der Region zusammenführt. Über den Wert dieser Netzwerkarbeit berichtet die Geschäftsführerin, Frau Meglio-Fritzmann:

Netzwerken als entscheidender Erfolgsfaktor
Für den FABI e.V. liegt der Mehrwert der Teilnahme klar auf der Hand: Netzwerken schafft Sichtbarkeit und ermöglicht, dass eigene Projekte und Anliegen wahrgenommen werden. „Indem wir immer wieder offen zeigen, wofür wir stehen und was wir bewegen, wächst bei anderen ganz selbstverständlich das Bild von uns als fester Größe in der Berufsorientierung“, beschreibt Frau Meglio-Fritzmann die Bedeutung des Austauschs. Die Bekanntheit bei den richtigen Stakeholdern sei für den Erfolg der eigenen Arbeit essenziell. Gleichzeitig profitiert man von wertvollen Impulsen und einem umfassenden Überblick über Entwicklungen in der regionalen Berufsorientierung des Landkreises. Dies erleichtert es, eigene Maßnahmen gezielter zu planen.

Austausch als Katalysator für Lösungen
Der Austausch im Netzwerk schafft zudem Raum für praxisnahe Lösungen. Ein Beispiel: In einem für nicht wenige Betriebe des Landkreises wichtigen Beruf drohte aufgrund geringer Auszubildendenzahlen der Wegfall einer Berufsschulklasse – mit negativen Folgen für die Attraktivität des Berufs. Der frühzeitige Austausch in der Steuerungsgruppe ermöglichte hier ein gemeinsames Gegensteuern.

Starke Unterstützung für die Initiative Ausbildungsbotschafter
Im Rahmen der Initiative Ausbildungsbotschafter profitiert FABI e.V. stark vom Netzwerk: „Der Bekanntheitsgrad des Projekts im Landkreis ist hoch – sowohl in Ausbildungsbetrieben als auch in Schulen“, berichtet Frau Meglio-Fritzmann und ergänzt, dass es die operative Arbeit erheblich erleichtert, wenn man als zuverlässiger Partner in der Berufsorientierung gesehen wird.

Anerkennung und Zusammenarbeit im Netzwerk
FABI e.V. wird von den Netzwerkpartnern als anerkannter Akteur der beruflichen Orientierung wahrgenommen – gut vernetzt und mit großer Expertise im Bereich der Ausbildungsbegleitung. Die Zusammenarbeit beschreibt Frau Meglio-Fritzmann als „hochgradig professionell und partnerschaftlich“. Spürbar sei das gemeinsame Ziel, möglichst vielen Jugendlichen einen direkten Übergang von der Schule in die Ausbildung zu ermöglichen.
Die organisatorische Führung des Netzwerks liegt beim Landratsamt. Eine eigens dafür geschaffene, vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg geförderte Stelle koordiniert die Steuerungsgruppe.

Erfahrungen und Empfehlungen für andere Bildungsträger
Gerade am Anfang fühlt sich Netzwerkarbeit manchmal an wie ein unbekannter Weg, auf dem man erst die richtigen Spuren finden muss – Herausforderungen gehören da ganz natürlich dazu. Nicht alle Gesprächspartner seien sofort begeistert, so Frau Meglio-Fritzmann. „Da braucht es eine gewisse Frustrationstoleranz und ein wenig Mut, den ersten Schritt zu machen.“ Entscheidend sei, dranzubleiben – der Aufwand lohne sich.
Bildungsträgern oder Kammern, die überlegen, sich ebenfalls in der Steuerungsgruppe einzubringen, empfiehlt die Geschäftsführerin von FABI e.V. folgende Schritte:
1. Klärung der Leitung – Wer führt die Steuerungsgruppe?
2. Eigeninitiative zeigen – Sich aktiv als externer Referent anbieten, um das eigene Projekt vorzustellen.
3. Regelmäßige Präsenz – Kontinuierlich im Gespräch bleiben und aktiv an der Netzwerkarbeit teilnehmen.
4. Proaktive Kontaktpflege – Netzwerken endet nicht in einem Gremium: FABI e.V. suchte beispielsweise zusätzlich den Austausch mit Bürgermeistern sowie Kreishandwerksmeistern im Landkreis, um das Projekt bekannt zu machen.

„Unser Weg zeigt, Erfolg entsteht vor allem dort, wo Verbindungen stark sind“, fasst Frau Meglio-Fritzmann zusammen.

Fußnoten:
1 Die Konzeption umfasst insgesamt vier Bausteine: Berufliche Orientierung, Ausbildungsvorbereitung dual, Regionales Übergangsmanagement und Rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit. Nähere Informationen dazu unter www.uebergangschuleberuf-bw.de
2 Die „Initiative Ausbildungsbotschafter“ wird durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg gefördert.

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  • © twwx / Photocase – 346-flechtwerk-bunt.jpg

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