Elke Pollaschek ist Handwerksmeisterin und Diplom-Pädagogin und arbeitete als Koordinatorin der Initiative „Ausbildungsbotschafter” bei der Handwerkskammer Freiburg. Diese Arbeit hat ihr immer sehr viel Freude gemacht, insbesondere die Begeisterung der Botschafter für ihren Beruf! Seit 2023 arbeitet sie für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) als Fachkraft im Entwicklungsdienst im Bereich berufliche Bildung im Senegal.
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Mit dieser Formulierung auf Banderolen im Fußballstadion macht die Berufsschule CFP in Nguekhokh, in Senegal, an der Atlantikküste, bei Freundschaftsspielen auf sein Angebot an technischen Berufsausbildungen aufmerksam. Die Spieler tragen Trikots mit dem Logo des CFP, die Ausbildungsbotschafter verteilen Flyer und beantworten Fragen des jungen Publikums aber auch der Presse.
Berufliche Orientierung findet dort statt, wo sich die Jugend trifft, mitunter auf dem Fußballplatz.
Senegal ist ein politisch stabiles und wirtschaftlich aufstrebendes Land. Ein besonderes Anliegen der Regierung ist es, jungen Menschen berufliche Perspektiven und damit eine Existenzgrundlage zu bieten. Die berufliche und technische Ausbildung findet hauptsächlich in der oben genannten Berufsschule statt, ergänzt durch individuelle Praktika in Partnerunternehmen. Um das Berufsbildungssystem praxisorientierter zu gestalten, strebt die Regierung eine schrittweise Einführung des dualen Berufsbildungssystems an. Seit 2020 führt die GIZ als Partner und technischer Berater in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Arbeit und Berufsbildung das Projekt RéFoP (Unterstützung der Reform der beruflichen Bildung im Senegal) durch, das von der Europäischen Union und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) kofinanziert wird. In den Einsatzregionen stützt man sich auf die Zusammenarbeit mit den Handwerkskammern, den Handelskammern, den Privatsektor und staatlichen Akteuren des Berufsbildungssystems.
Erwähnenswert ist auch FIT!Senegal, eine europäisch-senegalesische Initiative, die sich anlässlich der Olympischen Jugendspiele, die 2026 in Dakar stattfinden werden, in allen
Regionen Senegals fest etabliert hat, um die Möglichkeit der beruflichen Bildung stärker in den Fokus zu rücken. Berufsbildung wird von vielen immer noch nur als Plan B wahrgenommen.
Seit Anfang 2025 arbeite ich in zwei Berufsschulen an der Petite Côte südlich von Dakar. Die Arbeit einer „Fachkraft im Entwicklungsdienst“ besteht in der Regel darin, direkt mit lokalen Partnern zusammenzuarbeiten. Ich habe daher mein Büro im CFP Nguekhokh, wo ich als vollwertiges Mitglied des Personals angesehen werde und vor Ort in Zusammenarbeit mit meinen senegalesischen Kollegen sehr pragmatisch und direkt handeln kann. Das Centre de Formation Professionnelle (CFP) bietet sieben verschiedene Berufe an, die nach drei Jahren mit einem staatlich anerkannten Diplom (CAP - Certificat d'Aptitude Professionnelle) abgeschlossen werden. Dieser Abschluss ist vergleichbar mit dem deutschen Gesellenbrief.
Die Initiative „Ausbildungsbotschafter“ im Senegal hat vor allem zum Ziel, die Öffentlichkeit über die technische Berufsausbildung zu informieren und dafür zu sensibilisieren.
Die Berufsschulen haben oft Schwierigkeiten, neue Schüler zu finden, was vor allem auf ihren geringen Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung zurückzuführen ist.
Ich konnte die Schulleitung von dem Konzept der Botschafter überzeugen und habe für jeden von den Zentren angebotenen Beruf ein oder zwei Auszubildende als Botschafter geschult, wobei ich mich vom Konzept in Baden-Württemberg inspirieren ließ. Diese Innovation wurde im Senegal sehr positiv aufgenommen. Auf die Schulung folgten schnell die ersten Besuche in den Abschlussklassen der allgemeinbildenden Schulen des Departements, und sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch das Lehrpersonal waren von den Präsentationen der Ausbildungsbotschafter begeistert.
Zahlreiche Jugendliche folgten der Einladung der Botschafter, zum Tag der offenen Tür der Berufsschule zu kommen, um sich über die verschiedenen Berufe und Werkstätten zu informieren. Die Berufsschullehrer, die in beiden Zentren für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit zuständig sind, begleiten die Aktivitäten eng und erweitern mit ihren neuen Ideen den Horizont im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.
Weitere Maßnahmen sind gemeinsam mit den Ausbildungsbotschaftern geplant, um den Bekanntheitsgrad der Zentren auf lokaler Ebene zu steigern und die Zielgruppen zu erweitern.
Wir haben außerdem vor, im Radio für die berufliche Bildung zu werben, die Eltern der Schüler einzubeziehen und zu informieren, und wir möchten einen Film über die Zentren und Berufe für das lokale Fernsehen drehen.
Darüber hinaus ist geplant, Ausbildungsbotschafter in anderen Zentren zu schulen, um durch ihr Engagement in der beruflichen Orientierung mehr junge Menschen für eine technische Berufsausbildung zu gewinnen.
Es ist ein weites Feld, in dem ich das Glück habe, hier arbeiten zu dürfen!
Um die berufliche Orientierung mit der Hilfe von Botschaftern in allen Regionen in Senegal umzusetzen, wurden zusätzlich Ausbildungsbotschafter geschult, die überregional tätig sind.
Bei Großveranstaltungen/Messen/Foren informieren und sensibilisieren sie die Öffentlichkeit nicht für bestimmte Berufe, sondern allgemein für die Möglichkeiten der technischen Berufsausbildung.
Ich selbst jedoch arbeite mit den Botschaftern auf der Mikroebene, direkt im Umfeld der Ausbildungszentren. Dabei geht es darum, das Konzept der Ausbildungsbotschafter aufzugreifen, die einerseits an zwei Berufsschulen Werbung machen und sich andererseits allgemeiner an die Zielgruppe in der gesamten Region wenden. Bei der Umsetzung ist es wichtig, dass junge Menschen andere junge Menschen ansprechen und eine aktive Rolle übernehmen.
Die Arbeit im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit besteht oft darin, Innovationen durch verschiedene Ansätze zu testen und umzusetzen und dann deren Wirkungen zu beobachten. Auch die Nachhaltigkeit steht im Mittelpunkt, d. h. werden die Ausbildungszentren das „Instrument” der Ausbildungsbotschafter auch nach meinem Weggang weiter nutzen, um eine ausreichende Zahl neuer Schüler in ihren Klassen zu gewährleisten?
Bislang habe ich positive Erfahrungen mit den Botschaftern gemacht, sowohl in den Ausbildungszentren als auch in den allgemeinbildenden Schulen, wo die Botschafter ihren Beruf und ihr Zentrum präsentiert haben. Ich würde mich sehr über einen Austausch zwischen den Botschaftern in Deutschland und im Senegal freuen und lade alle interessierten Ausbildungskoordinatoren und Botschafter ein, sich für einen internationalen Austausch zu melden. Ich danke den Verantwortlichen dafür, dass sie mir die Möglichkeit gegeben haben, diesen Artikel in ihrem Newsletter zu veröffentlichen. Die Botschafter hier im Senegal und alle Beteiligten sind ebenfalls stolz darauf, dass ein Artikel über ihre Aktivitäten in Deutschland erscheinen wird!
Weitere Informationen über die GIZ und ihr Engagement in der beruflichen Bildung im Senegal:
Integrierter Unternehmensbericht 2024 er GIZ: Fit für den Arbeitsmarkt – vor Ort und in Deutschland | GIZ
Unterstützung von Berufsbildungsreform in Senegal | GIZ
Reseaux sociaux : FIT Sénégal (@fit_senegal) • Instagram photos and videos
Youtube : Film Court Métrage de initiative FIT pour le programme de formation école-entreprise PF2E



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