Baden-Württemberg teilt sich - wie auch einige andere Bundesländer - eine Außengrenze mit einem benachbarten Staat. Für Unternehmen in der Grenzregion gewinnen grenzüberschreitende Aktivitäten zunehmend an Bedeutung. Vereinfachte Kooperationen mit Partnern auf der französischen Rheinseite schaffen nicht nur neue Möglichkeiten im internationalen Warenverkehr; sie eröffnen auch neue Chancen für die Gewinnung von Fachkräften.
Auch die „Initiative Ausbildungsbotschafter“, gefördert vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg, trägt in diesem Umfeld aktiv zur Vernetzung bei: Schon seit Jahren engagieren sich die Kammern in der Region Südlicher Oberrhein in Einsätzen jenseits der Grenze, um über das duale Ausbildungssystem in Deutschland zu informieren und zu begeistern. Dazu kommen grenzüberschreitende Ausbildungsbotschafterinnen und -botschafter zum Einsatz, die an französischen Schulen – insbesondere im Elsass – den Schülern/-innen die vielfältigen Chancen einer beruflichen Ausbildung in Baden-Württemberg und damit verbundene berufliche Perspektiven näherbringen.
Diese Ausbildungsbotschafterinnen und -botschafter sind in der Regel Auszubildende mit französischen Wurzeln oder sehr guten französischen Sprachkenntnissen. Sie vereinen ihre Ausbildungskenntnisse mit kultureller Nähe und können so sehr authentisch den Jugendlichen in Frankreich vermitteln, welche Chancen unser duales Ausbildungssystem bietet. Besonders interessant ist dabei das Modell der grenzüberschreitenden Ausbildung1, das jungen Menschen ermöglicht, in beiden Ländern berufliche Perspektiven zu nutzen.
Die zuständige Koordinatorin der IHK Südlicher Oberrhein, Jasmina Muhovic, beschreibt die besonderen Herausforderungen, die mit dem Einsatz grenzüberschreitender Ausbildungsbotschafter/-innen verbunden sind:
Zunächst einmal ist zu sagen, dass es deutlich schwerer ist, geeignete Auszubildende zu finden, die für einen grenzüberschreitenden Einsatz infrage kommen. Sie müssen nicht nur gute fremdsprachliche Kenntnisse mitbringen, sondern letztlich auch den Mut aufbringen, sich vor einer französischen Klasse zu präsentieren. Das alles schränkt die Auswahl deutlich ein. Dennoch ist ein solcher Einsatz im Ausland für alle Beteiligten ein absolutes Highlight: Unser letzter Einsatz war an einer Schule in Strasbourg: Die Wertschätzung, die unsere Ausbildungsbotschafter dort erfahren haben, war wirklich überwältigend. Beides, die herausragende Gastfreundschaft, die wir an der Schule erfahren haben und auch die Begeisterung, mit der die Schüler unseren Einsatz aufgenommen haben, war bemerkenswert. So etwas erleben unsere Ausbildungsbotschafter an deutschen Schulen eher selten. Ein solcher Einsatz ist für alle Beteiligten ein unvergessliches Erlebnis.
Natürlich muss in diesem Zusammenhang auch die Frage nach Aufwand und Nutzen gestellt werden. Ohne Frage ist der organisatorische Aufwand für grenzüberschreitende Einsätze von Ausbildungsbotschafter/-innen deutlich höher. Und auch der Nutzen ist auf den ersten Blick eher geringer, da Praktika und Bewerbungen von französischen Schüler/-innen in deutschen Unternehmen die Ausnahme bleiben. Gleichwohl lohnt sich das Engagement der IHK in Freiburg: Den beteiligten Auszubildenden wird eine wertvolle internationale Erfahrung ermöglicht, die ihre persönliche und berufliche Entwicklung stärkt. Es fördert gleichzeitig das Verständnis für die deutsche duale Ausbildung und schafft in Frankreich ein realistischeres Bild von ihren Vorteilen. Durch den direkten Austausch entstehen interkulturelle Verbindungen, die langfristig die Zusammenarbeit zwischen beiden Ausbildungssystemen verbessern können. Und nicht zuletzt stärkt das Projekt das Image deutscher Unternehmen als weltoffene und zukunftsorientierte Ausbildungsbetriebe.
Und noch ein weiterer Aspekt darf nicht übersehen werden: Die grenzüberschreitenden Einsätze unserer Ausbildungsbotschafter/-innen leisten einen Beitrag, den europäischen Gedanken von Austausch und gegenseitigem Verständnis ganz konkret mit Leben zu füllen. Wenn deutsche Auszubildende in französischen Schulen über die duale Ausbildung sprechen, entsteht ein direkter Dialog, der im besten Fall Europas Bildungsräume enger miteinander verknüpft. Solche Begegnungen fördern nicht nur interkulturelle Kompetenz, sondern stärken auch das Gefühl gemeinsamer Zugehörigkeit innerhalb Europas. Gleichzeitig unterstützten wir damit die Idee eines europäischen Arbeitsmarkts, in dem junge Menschen von den Stärken anderer Systeme profitieren können.
So haben wir die Hoffnung, dass jeder einzelne Einsatz dazu beiträgt, Europa im Alltag spürbar näher zusammenzubringen und erfahrbar zu machen.
Fußnote 1:
Deutschland und Frankreich haben 2023 ein Regierungsabkommen über die grenzüberschreitende Berufsausbildung unterzeichnet. Danach können Auszubildende den praktischen Teil ihrer dualen Berufsausbildung jeweils in einem Betrieb im Partnerland absolvieren. Der theoretische Teil der Ausbildung und die Prüfung erfolgen im Heimatland.
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