Eltern sind die heimlichen „Karriereberater:innen“ ihrer Kinder – und oft die entscheidenden Türsteher, wenn es um den Bildungsweg geht. Viele orientieren sich jedoch noch an alten Statusbildern („Studium ist sicherer“, „Handwerk ist unsicher“, „Industrie ist krisenanfällig“). Die Herausforderung liegt darin, diese Bilder zu korrigieren und die duale Ausbildung als zukunftsfesten, vielseitigen und attraktiven Weg darzustellen. Ausbildungsbotschafter können hier eine wichtige Rolle spielen, wenn man die Ansprache klug gestaltet.
Kernherausforderungen in der Elternansprache
Informationsdefizit
Viele Eltern wissen nicht, wie modern die duale Ausbildung ist, welche Karrierewege (Meister, Techniker, Studium) offenstehen und welche Verdienstmöglichkeiten bestehen.Imageprobleme
„Ausbildung = Plan B“ ist noch immer ein weit verbreitetes Vorurteil.Orientierungsunsicherheit
Eltern haben Angst, falsche Ratschläge zu geben – gerade in Zeiten von Fachkräftemangel und sich wandelnden Berufsbildern.
Lösungsansätze mit Ausbildungsbotschaftern
1. Eltern gezielt in Formate einbinden
Elternabende mit Botschaftern: Statt nur Lehrkräfte sprechen zu lassen, erzählen junge Auszubildende (gleichaltrig zu den Kindern der Eltern), warum sie sich für eine Ausbildung entschieden haben und wie ihr Alltag aussieht. Authentizität ist hier entscheidend.
Afterwork-Gespräche für Eltern: Lockerer Rahmen, kurze Impulse von Ausbildungsbotschaftern + Betrieb, kombiniert mit Gelegenheit zum Fragenstellen.
Digitale Info-Sessions: Kurze, abendliche Online-Formate, die Berufsbilder vorstellen – praktisch für Eltern mit wenig Zeit.
2. Starke Argumente visualisieren
Karrierewege aufzeigen: Vom Azubi zum Meister, Techniker oder dual Studierenden. Grafische Karrierepfade (Poster, Onepager, kurze Videos) sind wirkungsvoll.
Verdienstperspektiven transparent machen: Zahlen wirken oft stärker als Worte. Beispiel: Fachkräfte mit Ausbildung verdienen im Schnitt rund 3.500 € brutto im Monat, viele Branchen bieten attraktive Zusatzleistungen.
Sicherheit betonen: Über 80 % der Auszubildenden werden übernommen (BIBB-Daten). Diese Stabilität ist ein starkes Argument gegenüber Eltern.
3. Botschafter:innen als Vorbilder nutzen
Ausbildungsbotschafter berichten nicht nur von ihrer Arbeit, sondern auch, wie die Entscheidung bei den Eltern ankam und welche Sorgen vielleicht ausgeräumt wurden.
Echte Geschichten wirken stärker als Faktenblöcke: „Meine Mutter wollte unbedingt, dass ich studiere – heute sieht sie, dass ich im Job glücklich bin und gute Aufstiegschancen habe.“
4. Zusammenarbeit mit Schulen verstärken
Elternbriefe oder Newsletter, in denen kurze Botschafter-Statements erscheinen.
Veranstaltungen wie „Tag der offenen Tür“ oder Berufsmessen gezielt um einen Elternfokus erweitern (z. B. eigener Eltern-Infostand).
5. Netzwerk-Ebene nutzen
Kammern können Elternkampagnen auflegen („Eltern stärken Zukunft“) mit Testimonials von Ausbildungsbotschaftern.
Kooperationen mit regionaler Presse oder Social Media, wo Eltern sich informieren, verstärken die Reichweite.
Fazit
Eltern überzeugt man nicht mit Hochglanzbroschüren, sondern mit authentischen Stimmen, klaren Fakten und dem Gefühl von Sicherheit. Ausbildungsbotschafter sind genau die richtigen Personen, um Barrieren abzubauen: Sie verkörpern „Nahbarkeit“ und „Erfolgsgeschichte zugleich“. Wenn man ihre Auftritte mit gut aufbereiteten Daten und klaren Karrierebildern flankiert, lässt sich die duale Ausbildung als gleichwertiger, manchmal sogar überlegener Weg gegenüber dem Studium präsentieren.
- © fritz international / Photocase – 718-vorsicht-stufe.jpg