Der Zugang zu Schulen ist tatsächlich ein klassisches Nadelöhr für viele Kammern, die mit den Ausbildungsbotschaftern neu starten. Schulen sind in einem Spannungsfeld: hoher organisatorischer Druck, volle Lehrpläne, wenig Zeitfenster für externe Formate. Wer hier erfolgreich andocken möchte, sollte die Logik des Schulalltags verstehen – und Angebote als Entlastung, nicht als Zusatzbelastung präsentieren.
Hier ein strategischer Ansatz in drei Ebenen:
1. Türöffner finden
Offizielle Zugänge nutzen: Kultusministerien, Schulämter oder Landesinstitute sind wichtige Multiplikatoren. Eine formale Unterstützung (z. B. ein Empfehlungsschreiben) kann für Schulleitungen ein Signal sein, dass das Projekt gewollt und anerkannt ist.
Persönliche Kontakte knüpfen: Lehrkräfte mit Berufsorientierungsauftrag sind meist die ersten Ansprechpartner. Sie haben die Aufgabe, Schüler:innen Wege in die Arbeitswelt zu zeigen – hier passt das Format Ausbildungsbotschafter ideal.
Pilotkooperationen: Statt gleich 20 Schulen anzusprechen, lieber mit einer engagierten Schule starten, dort gute Erfahrungen sammeln und diese dann als Referenzgeschichte nutzen. Schulen hören Schulen zu.
2. Angebot klar positionieren
Mehrwert für Schulen betonen: Ausbildungsbotschafter helfen Schulen, den gesetzlichen Auftrag zur Berufsorientierung umzusetzen. Sie bringen authentische Einblicke in Ausbildungsberufe und entlasten Lehrkräfte bei diesem Thema.
An Lehrpläne andocken: Formate sollten klar aufzeigen, wie sie in den Unterricht integriert werden können (z. B. WBS – Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung in Baden-Württemberg, BO-Konzepte in NRW, Praxistage etc.).
Flexibilität zeigen: Schulen sind unterschiedlich. Manche wollen Vorträge im Klassenverband, andere eine Projektwoche oder digitale Formate. Offenheit signalisiert Partnerschaftlichkeit.
3. Vertrauen aufbauen
Professionelle Organisation: Schulen sind nur begeistert, wenn alles reibungslos läuft. Klare Absprachen, zuverlässige Durchführung, Feedbackschleifen – das spricht sich schnell herum.
Erfolg sichtbar machen: Rückmeldungen von Schüler:innen sammeln und aufbereiten. Wenn eine Schule sieht, dass Jugendliche begeistert sind, steigt die Bereitschaft für Wiederholungen.
Langfristige Partnerschaften pflegen: Ziel ist nicht ein einmaliger Einsatz, sondern eine kontinuierliche Zusammenarbeit. Regelmäßige Angebote (z. B. einmal pro Schuljahr) festigen die Rolle der Kammer als verlässlicher Partner.
Praxisnahe Ideen für den Einstieg:
Ein Info-Paket für Schulen mit klarer Darstellung: „Was sind Ausbildungsbotschafter? Welchen Mehrwert haben sie für Sie?“
Einladung an Schulen zu einer regionalen Auftaktveranstaltung (Lehrkräfte + Schulleitungen), bei der das Projekt vorgestellt und Testimonials von Betrieben und bisherigen Schulen gezeigt werden.
Kooperation mit bereits laufenden BO-Formaten (z. B. Berufemessen, Girls’Day, Boys’Day), bei denen Ausbildungsbotschafter leicht integriert werden können.
Feedbackkarten oder kleine Evaluationen, die Schulen zurückspielen können – das signalisiert, dass ihre Meinung zählt.
Im Kern geht es darum, Schulen nicht als „Adressaten“ zu behandeln, sondern als Partner mit eigenen Zwängen und Aufgaben. Wer das Projekt als Unterstützung und Bereicherung für ihre Arbeit begreifbar macht, hat die größte Chance, dauerhaft Türen zu öffnen.
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