Generation Z erreichen: Erfolgsfaktoren in der Ansprache

Die Generation Z – Jugendliche und junge Erwachsene, geboren ab Mitte der 1990er bis etwa 2010 – prägt zunehmend den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Ihre Erwartungen, Kommunikationsstile und Wertvorstellungen unterscheiden sich deutlich von früheren Generationen. Für Kammern, Unternehmen und Ausbildungsbotschafter-Programme bedeutet dies: Wer die Zielgruppe ernsthaft gewinnen möchte, muss ihre Sprache verstehen und ihre Bedürfnisse berücksichtigen.

Digitale Selbstverständlichkeit mit Lernbedarf
Die Gen Z ist digital aufgewachsen, sie nutzt Smartphone und soziale Medien intuitiv. Dennoch bedeutet dies nicht, dass sie automatisch über umfassende digitale Fachkompetenzen verfügt. Studien zeigen, dass lediglich etwa 2 % der Achtklässler ein sehr hohes Kompetenzniveau im Umgang mit digitalen Tools erreichen, während 19 % grundlegende Probleme selbstständig lösen können. Digitale Affinität ersetzt also nicht systematische Ausbildung.

Kommunikation: Klar, kompakt, visuell
Die Aufmerksamkeitsspanne in digitalen Umgebungen ist begrenzt. Untersuchungen zeigen, dass Inhalte nur wenige Sekunden Zeit haben, um wahrgenommen zu werden. Kurze, prägnante Botschaften – idealerweise visuell oder multimedial – sind daher entscheidend. Interessant ist, dass trotz intensiver Social-Media-Nutzung 42 % der Gen Z E-Mails als bevorzugten Kommunikationskanal nennen. Es gilt also, klassische und neue Kanäle intelligent zu kombinieren.

Kanäle gezielt wählen
Soziale Netzwerke wie Instagram, TikTok oder YouTube sind zentrale Informationsquellen. Rund drei Viertel der Gen Z beziehen ihre Nachrichten primär über Social Media. Zugleich werden Influencer von vielen als glaubwürdiger wahrgenommen als klassische Institutionen. Für Ausbildungsbotschafter bedeutet dies: Inhalte sollten authentisch, individuell und interaktiv aufbereitet werden.

Werteorientierung ist entscheidend
Die Generation Z erwartet von Unternehmen mehr als wirtschaftlichen Erfolg. Nachhaltigkeit, Diversität und gesellschaftliche Verantwortung werden kritisch hinterfragt. Drei Viertel der Befragten geben an, dass sie einen Arbeitgeber ablehnen würden, dessen Werte nicht zu den eigenen passen. Authentizität und Transparenz sind daher unverzichtbar – reine Imagekampagnen ohne Substanz werden schnell entlarvt.

Flexibilität als Grundvoraussetzung
Work-Life-Balance ist für 77 % der Gen Z das wichtigste Kriterium bei der Jobwahl. Flexible Arbeitsmodelle, Homeoffice-Optionen und Möglichkeiten zur Mitgestaltung werden als selbstverständlich erwartet. Rund 70 % können sich zudem eine Tätigkeit im Freelance-Modus vorstellen. Für die Ausbildung bedeutet dies: Arbeitgeber, die Freiräume ermöglichen, erhöhen ihre Attraktivität erheblich.

Technologie als Hygienefaktor, Beziehung als Kern
Mobile Bewerbungen, einfache digitale Tools und schnelle Kommunikation per Messenger oder SMS gelten als Standard. 69 % der Gen Z erwarten mobile Bewerbungsoptionen. Dennoch bleibt die persönliche Beziehung zentral: Junge Menschen legen Wert auf Feedback, Dialog und individuelle Begleitung. Ein veralteter technischer Prozess kann abschrecken, ein fehlender menschlicher Kontakt ebenso.

Führung durch Dialog und Empathie
Die Gen Z wünscht sich eine Führungskultur, die inklusiv, empathisch und feedbackorientiert ist. Studien zufolge erwarten über 70 % eine ansprechbare, dialogbereite Führungskraft und viele suchen eher Mentor:innen als klassische Vorgesetzte. Regelmäßige Rückmeldungen und die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen, sind zentrale Motivationsfaktoren.

Handlungsempfehlungen für die Ansprache

  1. Konzise und visuelle Kommunikation: Informationen in kurzen, klaren Formaten bereitstellen, bevorzugt über digitale Kanäle.

  2. Authentizität und Transparenz: Werte nicht nur kommunizieren, sondern im Alltag erlebbar machen.

  3. Digitale Zugänglichkeit: Bewerbung und Information über mobile Endgeräte ermöglichen, Social Media aktiv nutzen.

  4. Werteorientierte Positionierung: Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung nicht als „Zusatz“, sondern als Bestandteil der Unternehmenskultur begreifen.

  5. Beziehungsorientierte Führung: Feedback, Dialog und Partizipation gezielt fördern.

Fazit

Die Ansprache der Generation Z erfordert einen Balanceakt zwischen digitaler Professionalität und menschlicher Nähe. Wer ihre Kommunikationsgewohnheiten respektiert, ihre Werte ernst nimmt und flexible Rahmenbedingungen bietet, erhöht die Chancen, diese Generation nachhaltig für Ausbildung und Beruf zu gewinnen.

Quellenangaben

  • Wikipedia: Generation Z – Zahlen zu digitalen Kompetenzen (Abruf: August 2025)

  • Recruitics (2024): Successfully engaging Gen Z applicants with the right approach – Aufmerksamkeitsspanne, Präferenzen in Bewerbungsprozessen

  • ZeroBounce (2024): Gen Z Work Report – Kommunikationskanäle, Sprachunsicherheiten

  • Axios (2024): Public relations strategies for reaching Gen Z – Mediennutzung und Rolle von Influencern

  • Financial Times (2024): Making sense of Gen Z: employers seek answers on managing younger workers – Werteorientierung und Arbeitgeberattraktivität

  • Breezy HR (2024): Gen Z recruiting trends – Einstellungen zu Freelance-Optionen und Flexibilität

  • Robert Walters (2024): Gen Z does things differently – Priorität Work-Life-Balance

  • Yello (2024): What Gen Z candidates want at work – Erwartungen an Bewerbungsprozesse und Technologie

  • LinkedIn Insights (2024): Gen Z in the workplace – Führungs- und Feedbackerwartungen

Bildquellen und Copyright-Hinweise
  • © Tomasz Trojanowski / Fotolia – 70-junge-menschen-vor-tafel.jpg

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